Gros Morne National Park: Ungezähmte Natur im Westen Neufundlands

 

Ein echtes Hightlight gleich zu Beginn meiner diesjährigen Tour durch Neufundland war zweifellos der grandiose Gros Morne National Park. Hier sind meine Eindrücke.

 

Unvergessliche Eindrücke aus Neufundlands Gros Morne National Park: Blick auf das Ende des Fjords im Western Brook Pond.
Unvergessliche Eindrücke aus Neufundlands Gros Morne National Park: Blick auf das Ende des Fjords im Western Brook Pond.

Von Deer Lake nach Rocky Harbour ins Zentrum des Gros Morne Nationalparks

Dass im Westen Neufundlands die Uhren anders gehen, bemerkte ich direkt nach der Abholung des Mietwagens. Die örtliche Filiale der "Super"-Marktkette Foodland erinnerte mich mit ihrem 

Vom Flughafen Deer Lake nach Rocky Harbour im Gros Morne Nationalpark fährt man gut 70km durch den Wald.
Vom Flughafen Deer Lake nach Rocky Harbour im Gros Morne Nationalpark fährt man gut 70km durch den Wald.

nüchternen Charme, der spärlichen Produktpalette und der fehlenden Auswahl deutlich daran, dass ich mich nicht mehr in der Grossstadt befand.

 

Mit dem nötigsten eindecken konnte ich mich aber trotzdem, und so ging es dann durch den schier endlosen Wald Richtung Gros Morne, die zweite Hälfte des Weges auf und ab entlang der East Arm Bucht.

 

Schroffe Felsen, Wasser und Bäume, so weit das Auge reicht - im Zentrum des Parks bestimmen die Farben Grün und Grau die Szenerie. Es gibt zahlreiche Wanderwege, darunter auch die 16km lange Schleife auf den Gros Morne Berg, von dem aus man majestätisch in den Fjord des nahen Ten Mile Pond blicken kann. Die Wanderwege sollte man aber nur mit vernünftiger Regenschutzbekleidung in Angriff nehmen. Der scharfe Wind treibt Wolkenfetzen mit grosser Geschwindigkeit über die Berge und durch die Täler. Nach einer Weile kann man dann schon abschätzen: "In drei Minuten gibt es einen kurzen, heftigen Regenschauer, aber nach scheint für fünf Minuten die Sonne."

 

Trout River und Tablelands: Wandern auf dem Erdmantel im südlichen Teil des Gros Morne Nationalparks

 

Im südlichen Teil des Parks befinden sich die Tablelands, eine Kette scheinbar gelber Berge. Hier haben die Naturkräfte in der Eiszeit soviel Material abgeschabt, dass Teile des Erdmantels

Wandern im Gros Morne National Park: Blick auf die Tablelands im Süden des Parks.
Wandern im Gros Morne National Park: Blick auf die Tablelands im Süden des Parks.

freigelegt wurden. Die Oberfläche enthält kaum Nährstoffe und hat stellenweise auch toxische Elemente, so dass sich auf den Tablelands nur wenig Vegetation hält.

 

Da ich schon vier Monate vor dem Urlaub in der Umgebung der Tablelands keine Unterkunft mehr gefunden hatte, musste ich vom zentralen Rocky Harbour aus dorthin gelangen. 

 

Die Fähre über die Bonne Bay legt leider nur dreimal täglich ab und nimmt auch keine Autos mit. So musste ich um die gesamte Bucht herumfahren, und aus 3km Fährstrecke wurden 75km Autofahrt (einfache Strecke). 

 

Unterwegs im Gros Morne National Park: Blick auf den Trout River Pond.
Unterwegs im Gros Morne National Park: Blick auf den Trout River Pond im südlichen Teil des Parks.

Gelohnt hat sich der Besuch aber trotzdem. Stellenweise kam ich mir vor, als würde ich auf dem Mars wandern.

 

Abgesehen von den Tablelands hat der südliche Teil des Gros Morne NP auch noch Wanderwege um den grossen Trout River Pond zu bieten. Die Fischergemeinde Trout River fand ich persönlich nicht übermässig inspirierend, aber die kleine Gemeinde Woody Point rund um die Fähranlegestelle hat entlang der kleinen Hauptstrasse ein, zwei Lokale, in denen man sich stärken kann. Zusätzlich bietet "Downtown" Woody Point in der selben Strasse noch zwei kleine Souvenir-Geschäfte und eine Fischfabrik. Mahlzeit!

 

Bootstour im Western Brook Pond: Fjorde im Gros Morne Nationalpark

Bootstour im Western Brook Pond in Neufundlands Gros Morne National Park.
Fotografieren im Windkanal: Bootstour im Fjord des Western Brook Pond Gros Morne National Park.

Im nördlichen Teil des Parks liegt mit dem Western Brook Pond der grösste Fjord des Nationalparks. Eine Bootsfahrt durch diesen Fjord dauert zwei Stunden und ist ein ebenso windiges wie unvergessliches Erlebnis.

 

Am besten reserviert man beim Veranstalter am Vortage einen Platz auf dem Boot, entweder telefonisch oder persönlich an deren Kiosk in Rocky Harbour (in der Lobby des Ocean View Hotels).

 

Bevor man aber den Fjord geniessen kann, heisst es erst einmal Wandern: Die Bootsanlegestelle ist nämlich 3km von der Strasse entfernt und nur zu Fuss erreichbar, aber davon sollte man sich auf keinen Fall abschrecken lassen: Die Bootstour ist es wert.

 

 

Am entlegenen Ende des Fjords befindet sich übrigens ein kleiner Anlegepunkt, von wo aus die hart gesottenen Wanderer ins Hinterland des Parks aufbrechen. Auf ein solches Abenteuer

Unterwegs im Nordteil des Gros Morne National Park in Neufundland: An der Landzunge Green Point sind Millionen Jahre alte Gesteinsschichten wie Jahresringe ablesbar.
Unterwegs im Nordteil des Gros Morne National Park: An der Landzunge Green Point sind Millionen Jahre alte Gesteinsschichten wie Jahresringe ablesbar.

sollte man sich jedoch nur in Gruppen und mit vernünftiger Ausrüstung einlassen. Ohne Karte, Kompass und Vorräte für mehrere Tage (!) geht da gar nichts.

 

Mein Reiseplan war an jenem Tag jedoch deutlich komfortabler ausgelegt. Ich fuhr nach der Fjord-Tour weiter nach Norden und übernachtete in einen B&B in der Gemeinde Cow Head. Ja, die ist genauso gross und idyllisch, wie der Name vermuten lässt.

 

Als ich feststellte, dass nur zwei Häuser neben meiner Unterkunft ein kleines Theater ist, besorgte ich mir doch gleich eine Karte für den Abend. So konnte ich gleich noch ein paar "Kulturpunkte" einheimsen. Das Theaterstück drehte sich um die Erlebnisse der neufundländischen Lehrerin Frances Cluett, die während des ersten Weltkrieges als freiwillige Krankenpflegerin in einem Feldlazarett in Frankreich arbeitete. Eine beeindruckende Geschichte, teilweise schwere Kost, aber zweifellos toll gespielt von der Hauptdarstellerin.

 

 

Nach einer geruhsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück hiess es dann Abschied nehmen vom Gros Morne Nationalpark, denn mein Weg führte mich nun Richtung Notre Dame Bay mit Highlights wie Twillingate, Fogo Island und Brimstone Head.

 

Und genau darum geht es dann im nächsten Beitrag.

 

Nette Geste am Wanderweg zum Western Brook Pond: Die Parkverwaltung des Gros Morne Nationalparks bedankt sich bei den Gebührenzahlern.
Nette Geste am Wanderweg zum Western Brook Pond: Die Parkverwaltung des Gros Morne Nationalparks bedankt sich bei den Gebührenzahlern.

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